Damit das Grüne Herz im bevorstehenden Steiermark Winter wieder kräftig schlägt, greift die Tourismuswerbung tief in die Werbekasse. 1,7 Millionen Euro sollen dafür sorgen, dass Gäste aus zehn Herkunftsmärkten Lust auf Schnee, Thermen, Adventmärkte und steirische Kulinarik bekommen. Neu dabei: Künstliche Intelligenz. Denn künftig soll sogar ChatGPT bei der Urlauberwerbung mithelfen.

„Wofür schlägt dein Herz?“, lautet die zentrale Frage der neuen Kampagne. Die Antwort der Touristiker fällt erwartungsgemäß vielfältig aus: fürs Skifahren, fürs Langlaufen, für die Therme, fürs gute Essen und natürlich für den Advent. Elf Einheimische aus den steirischen Erlebnisregionen erzählen dazu ihre persönlichen Geschichten. Emotionen sind schließlich immer noch die beste Werbung. Und wenn sie allein nicht reichen, hilft neuerdings eben ein Algorithmus nach.
Steiermark Winter – Sechs Millionen Nächtigungen als Messlatte
An Selbstbewusstsein mangelt es den steirischen Touristikern jedenfalls nicht. Dafür haben sie auch gute Gründe. Im vergangenen Steiermark Winter wurden exakt 6,069 Millionen Nächtigungen gezählt. Das waren um 2,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und erstmals mehr als sechs Millionen.
Besonders erfreulich entwickelte sich das internationale Geschäft. Die Übernachtungen ausländischer Gäste legten um 3,8 Prozent auf 2,929 Millionen zu. Die Tschechen erwiesen sich dabei als besonders reisefreudig: Ihre Nächtigungszahlen stiegen um rund ein Viertel.

Landeshauptmann Mario Kunasek will diesen Erfolg fortsetzen. Ganz einfach wird das allerdings nicht. Weil Ostern 2027 bereits Ende März gefeiert wird, fällt die kommende Wintersaison vergleichsweise kurz aus. Das bedeutet weniger Zeit, um möglichst viele Gäste in die steirischen Betten zu bekommen.
Der Osten entdeckt das Grüne Herz
Vor allem in Ungarn, Tschechien, Polen und der Slowakei sieht Tourismusgeschäftsführer Michael Feiertag noch erhebliches Potenzial. Die geografische Nähe hilft dabei. Wer beispielsweise aus dem Großraum Bratislava anreist, kann schon nach rund zwei Stunden auf einem oststeirischen Adventmarkt stehen.
Dass der Steiermark Winter zunehmend internationaler wird, ist für die Touristiker eine erfreuliche Entwicklung. Und der Gast muss schon lange nicht mehr gleich eine ganze Skiwoche buchen. Ein verlängertes Wochenende mit Weihnachtsmarkt, Wellness und steirischem Backhendl ist ebenfalls willkommen.
Allerdings gibt es einen kleinen Schönheitsfehler beim Thema nachhaltige Mobilität. Denn rund 90 Prozent der Gäste reisen mit dem Auto an. Die Bahn bringt es derzeit lediglich auf ungefähr acht Prozent. Immerhin soll das verbesserte Bahnangebot künftig mehr Besucher auf die Schiene locken.
ChatGPT als digitaler Reiseverführer
Besonders spannend ist die neue Werbestrategie. Erstmals will die STG auch Anzeigen im Umfeld von ChatGPT einsetzen. Wer sich digital über seinen nächsten Winterurlaub informiert, könnte künftig also auf steirische Angebote aufmerksam werden.
Die Anzeigen sollen zunächst in Österreich und Deutschland getestet werden. Zusätzlich experimentiert die Tourismusgesellschaft auf ihrer eigenen Internetplattform mit KI-gestützter Suche und personalisierten Angeboten.
Ob künstliche Intelligenz tatsächlich mehr Urlauber bringt, muss sich erst zeigen. Denn eine Suchmaschine kann zwar ein passendes Hotel finden, aber noch keinen Kaiserschmarren servieren. Dafür braucht es weiterhin echte Menschen.
Helen Fischer, neue Lifte viel Advent, Advent …
Auch abseits der digitalen Werbung wird aufgerüstet. Neue Achter-Sesselbahnen, etwa am Kreischberg, sollen den Skikomfort erhöhen. Auf der Turracher Höhe entsteht das WinterWonderLand, während zusätzliche Wellnessangebote, neue Wanderwege und das Nordische Zentrum im Ausseerland für Abwechslung sorgen.
Für Aufmerksamkeit sollen außerdem große Veranstaltungen sorgen. Beim Ski-Opening in Schladming steht Helene Fischer auf dem Programm. Im Jänner feiert das legendäre Nightrace seine 30. Auflage. Und wer es beschaulicher mag, kann sich zwischen Graz, Pöllau, Leoben und Mariazell durch zahlreiche Adventmärkte kosten.
Mariazell verlängert die Weihnachtsstimmung mit einem Neujahrsmarkt sogar bis zum 5. Jänner. Offenbar hat man dort beschlossen, dass die besinnliche Zeit ruhig etwas länger dauern darf.
Entscheidend ist, was beim Gast ankommt
Die große Frage lautet letztlich, ob die zusätzlichen Werbemillionen auch für zusätzliche Nächtigungen sorgen. Denn hohe Besucherzahlen im Steiermark Winter garantieren noch keine guten Erträge für Hotels, Gastwirte und Seilbahnbetreiber. Steigende Kosten und die Investitionen in die touristische Infrastruktur bleiben erhebliche Herausforderungen.
Michael Feiertag setzt deshalb auf neue Zielgruppen, bessere Angebote und eine möglichst wirksame Ansprache potenzieller Gäste.
Die Strategie ist nachvollziehbar. Wer im internationalen Wettbewerb bestehen will, muss sichtbar bleiben. Ob auf einer Prager Straßenbahn, am Smartphone oder künftig bei ChatGPT.
Nur eines darf die Tourismuswirtschaft natürlich nicht vergessen: Der tollste Werbespruch und die intelligenteste KI helfen nur, wenn auch das Preis-Leistungs-Verhältnis passt. Denn nicht irgendein Algorithmus entscheidet über einen gelungenen Winterurlaub, sondern immer noch der Gast.





