Finanzwissen stärkt Frauen dabei, selbst über ihr Geld zu entscheiden. Renata Maurer Nikolić, Vorständin der BKS Bank, erklärt, warum beim Vermögensaufbau auch kleine Beträge zählen, weshalb niemand Hemmungen vor Fragen haben sollte und was Österreich von Slowenien lernen kann.

„Wer über Female Empowerment spricht, muss auch über Vermögen sprechen“, sagt Renata Maurer Nikolić. Die Vorständin der BKS Bank rückt damit eine wesentliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben in den Mittelpunkt: die finanzielle Eigenständigkeit.
Teilzeit, unbezahlte Betreuungsarbeit und längere Erwerbsunterbrechungen können den finanziellen Spielraum von Frauen über Jahrzehnte prägen. Sie beeinflussen, wie viel Geld für den Vermögensaufbau bleibt und wie hoch später die Pension ausfällt. Female Finance setzt hier an: Frauen sollen Finanzwissen aufbauen, ihre Möglichkeiten kennen und Entscheidungen über das eigene Geld bewusst treffen.
„Eigenes Vermögen schafft Handlungsspielraum – und damit ein Stück Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“, betont Maurer Nikolić.
Female Finance beginnt mit den richtigen Fragen
Der Einstieg in die finanzielle Vorsorge muss nach Ansicht der Bankvorständin nicht am fehlenden großen Startkapital scheitern. Bereits kleine, regelmäßig und langfristig veranlagte Beträge können zum Vermögensaufbau beitragen. Welche Veranlagung passt, hängt allerdings von den persönlichen Zielen, dem verfügbaren Budget und der eigenen Risikobereitschaft ab.
Gerade junge Frauen ermutigt Maurer Nikolić, genau hinzusehen: Wofür möchte ich Geld zurücklegen? Wann werde ich es voraussichtlich benötigen? Verstehe ich das angebotene Produkt? Welche Risiken kann und möchte ich tragen?
Für sie gehört dazu auch, im Beratungsgespräch konsequent nachzufragen. „Niemand muss sich schämen, etwas nicht zu wissen. Dumme Fragen gibt es nicht. Genau dafür gibt es gut ausgebildete Experten.“
Finanzwissen und Vorsorge früh stärken
Einen frühen Zugang zu Finanzthemen hält Maurer Nikolić für besonders wichtig. Das in Österreich vorgesehene Zukunftsdepot für Kinder begrüßt sie deshalb grundsätzlich. Nach Angaben der Bundesregierung soll es am 1. Juli 2027 starten. Für ab 1. Jänner 2027 geborene Kinder ist ein staatlicher Startbonus von 500 Euro vorgesehen.
„Wenn junge Menschen früh mit Vorsorge in Berührung kommen, kann das dazu beitragen, ein besseres Verständnis für Wirtschaft sowie die Chancen und Risiken des Kapitalmarktes zu entwickeln“, sagt die BKS-Vorständin.
Was Österreich von Slowenien lernen kann
Für einen breiteren Ansatz verweist Maurer Nikolić auf Slowenien. Dort wurden im März 2026 individuelle Anlagekonten, sogenannte INR-Konten, eingeführt. Sie ermöglichen langfristige Investitionen unter steuerlich günstigeren Bedingungen und richten sich grundsätzlich an Personen mit steuerlichem Wohnsitz in Slowenien. Das Modell ist damit nicht speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet.
„Daran könnte sich auch Österreich orientieren. Attraktive steuerliche Rahmenbedingungen und gutes Finanzwissen können die finanzielle Eigenständigkeit stärken und einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Vorsorge leisten“, ist Maurer Nikolić überzeugt.
Ihre Botschaft an Frauen: Die Beschäftigung mit dem eigenen Geld sollte früh beginnen. Wer seine finanzielle Situation kennt und Fragen stellt, schafft eine Grundlage dafür, die eigene Zukunft selbst zu gestalten.


