Die Wirtschaft läuft nicht von selbst – schon gar nicht in Zeiten geopolitischer Brüche, hoher Energiekosten und fragiler Lieferketten. Genau hier setzte das Wirtschaftsforum des Landtagsklubs der Steirischen Volkspartei in der Grazer Helmut-List-Halle an. Im Zentrum stand die Frage, wie Industrie, Arbeitsplätze und Wohlstand langfristig im Land gehalten werden können.

Ökonom Christian Helmenstein, LHStv. Manuela Khom und STVP-Klubobmann Lukas Schnitzer (v. l.) beim Wirtschaftsforum in der Grazer Helmut-List-Halle. Im Zentrum standen Standortfragen, leistbare Energie, internationale Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftliche Zukunft der Steiermark. [Foto: Lorber]

Rund 350 Gäste aus Wirtschaft, Industrie, Forschung und Politik diskutierten über jene Zukunftsfelder, die maßgeblich über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden: Energie, Internationalisierung, Infrastruktur, Innovation, Investitionen, digitale Souveränität sowie Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft.

Standortpolitik statt Schlagworte

Im Mittelpunkt des Abends stand Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom. Sie nahm eine nüchterne Standortbestimmung vor: Die Rahmenbedingungen seien anspruchsvoller geworden, umso wichtiger seien Orientierung und Reformbereitschaft. Bestehende Strukturen dürften nicht bloß verwaltet, sondern müssten gezielt weiterentwickelt werden.

Bildung, Qualifikation und Innovationskraft seien dabei entscheidende Faktoren. Wirtschaftspolitik müsse langfristig gedacht werden – nicht ideologisch, sondern pragmatisch.

Energie als Wettbewerbsfrage

Beim Thema Energie wurde klar: Die Transformation ist vor allem eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Leistbare und verlässliche Energieversorgung, der Ausbau erneuerbarer Quellen sowie ein wettbewerbsfähiger Industriestrompreis gelten als Grundvoraussetzungen für Investitionen.

Offene Märkte, Schutz vor unfairem Wettbewerb und eine stärkere internationale Positionierung der steirischen Industrie wurden ebenfalls als zentrale Hebel genannt.

Infrastruktur und Internationalisierung

Breiten Raum nahm die Infrastruktur ein – von der Koralmbahn über den Ausbau der Strecke Graz–Maribor bis hin zur langfristigen Absicherung des Flughafens Graz. Mobilität sei ein klarer Standortfaktor, so der Tenor.

Einigkeit bestand auch darüber, Forschung und Entwicklung stärker in den Regionen zu verankern, um Wertschöpfung im Land zu halten und Innovation vor Ort zu fördern.

Fragiler Erholungspfad

Keynote-Speaker Christian Helmenstein warnte vor einem fragilen wirtschaftlichen Erholungspfad. Potenziale ortete er unter anderem in Logistik, Rechenzentren und Wasserstofftechnologien. Verlässliche Rahmenbedingungen seien keine politischen Schlagworte, sondern betriebliche Notwendigkeit.

Der von Donald Trump als „standhafter Unterstützer“ seiner „America First“-Politik bezeichnete US-Botschafter Arthur Graham Fisher bekannte sich in seiner Grußadresse zur umfassenden Zusammenarbeit zwischen den USA und Östereich (Links neben Fisher: Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer, VP-Klubchef Lukas Schnitzer und Moderatorin Conny Ertl.) [Foto: Fazit]

Für Lukas Schnitzer brachte der Abend eine klare Botschaft: „Wirtschaftspolitik ist Sozialpolitik.“ Ohne wettbewerbsfähige Unternehmen gebe es keine Arbeitsplätze – und ohne Arbeitsplätze keinen Wohlstand.

Das Wirtschaftsforum Steiermark zeigte weniger fertige Lösungen als einen klaren Befund: Die Steiermark verfügt über starke industrielle Kernkompetenzen und großes Innovationspotenzial. Entscheidend wird sein, wie konsequent diese Stärken genutzt und weiterentwickelt werden.